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ZAUBERKRÄUTER             BLOG

 

Naturkosmetik, Kräuter & Räuchern

Von der Theorie bis zum fertigen Naturkosmetik-Produkt, von magischen Räucher-Traditionen bis hin zu selbst gemachtem Räucherwerk und vielem mehr - entdeckt hier meine liebsten Rezepte und Wissenswertes zu den Themen:

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Johanniskrautöl & Salbe selber machen

Aktualisiert: 29. Juni

Vom blühenden Johanniskraut zum strahlenden Rotöl und weiter zur pflegenden Salbe. Johanniskrautöl und -salbe können ganz einfach selbst hergestellt werden.


Echtes Johanniskraut.
Das wunderschöne Johanniskraut, gesammelt auf der Alm.

Das Johanniskraut Hypericum perforatum

Das Johanniskraut ist ein uraltes Heilkraut. Die erste schriftliche Überlieferung von Johanniskraut als medizinisches Mittel stammt aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. So ist der Ölauszug des Johanniskrauts, das sogenannte Rotöl, auch ein beliebtes Naturheilmittel zur äußerlichen Anwendung.


Dem Johanniskraut wird wundheilende und antiseptische Wirkung zugeschrieben. Der Wirkstoff Hyperforin und das rote Hypericin, das für die rote Farbe sorgt, hemmen Viren und Bakterien.


Das rote Johanniskrautöl und die Johanniskraut-Salbe können äußerlich zum Einreiben bei Verspannungen, Hexenschuss, Prellungen und Verstauchungen, blauen Flecken und leichten Verbrennungen verwendet werden.


Beim Verwenden des Öls und der Salbe ist jedoch etwas Vorsicht geboten: Das Johanniskraut macht sonnenempfindlich und kann phototoxisch wirken, man darf nach dem Verwenden nicht direkt in die Sonne gehen. Allerdings können Johanniskrautöl und Johanniskrautsalbe umgekehrt gegen Sonnenbrand helfen.


Man kann entweder das pure Öl zum Einreiben verwenden, oder es in eine pflegende Salbe weiterverarbeiten, was zum Einreiben oft praktischer ist.


Das Sammeln des Johanniskrauts

Das Johanniskraut muss für den Ölauszug zur Blüte gesammelt werden, dass ist typischerweise im Früh- bis Hochsommer.


Beim Sammeln gelten die Regeln, wie bei allen andern Kräutern:

  • Nur Sammeln, wenn was man eindeutig bestimmen kann.

  • Nur an trockenen Tagen sammeln, nicht nach Regen und nicht, wenn die Kräuter noch mit Tau bedeckt sind.

  • Nicht direkt am Straßenrand oder anderen Orten sammeln, an denen die Kräuter leicht verunreinigt werden können.

  • Achtsam sammeln - nur das nehmen, was man wirklich braucht.


Ein Korb Johanniskraut.
Das Johanniskraut sollte frisch weiterverarbeitet werden, man kann es für Rotöl aber etwas anwelken lassen.


So wird das Johanniskrautöl hergestellt

Der Ölauszug wird immer mit frischen Blüten hergestellt. Um die Schimmelgefahr zu minimieren, muss das Kraut, wie erwähnt, unbedingt trocken gesammelt werden. Man sollte das Kraut zwar möglichst frisch weiterverarbeiten, aber, wenn man kann es auch kurz anwelken lassen, um auf Nummer sicher zu gehen - das passiert oft sowieso automatisch, wenn man beim Wandern Johanniskraut sammelt, dauert es ein paar Stunden, bis man es zu Hause weiterverarbeiten kann.



Die Blüten und Knospen des Johanniskrauts werden abgezupft und in ein Schraubglas gegeben und dann mit einem guten Öl (Wenn möglich in Bio-Qualität) übergossen. Ich verwende am liebsten Olivenöl.

Wichtig ist, dass die Blüten komplett vom Öl bedeckt sind, damit kein Schimmel entsteht.


Das Öl muss jetzt vier bis sechs Wochen lang ziehen.


Wenn man merkt, dass sich am Deckel Feuchtigkeit bildet, gibt man die ersten paar Tage ein Küchentuch drüber, um das Öl atmen zu lassen und verschließt es erst dann mit dem Deckel. Wenn sich nämlich Kondenswasser bildet, kann es in das Öl zurücktropfen, was wiederum Schimmel verursachen kann.


Ich verwende immer nur die Blüten und Knospen und zupfe sie von Hand einzeln ab und quetsche sie dabei leicht an, damit der rote Farbstoff gut zum Vorschein kommt. Es dauert ein bisschen länger, als das Kraut mit der Schere zusammenzuschneiden, aber ich finde, es zahlt sich aus und ist außerdem eine schöne, meditative Arbeit. Wenn die Hände danach so ausschauen, hat man es richtig gemacht:


So sehen die Finger nach dem Verarbeiten von Johanniskraut aus.
So sehen die Finger nach dem Verarbeiten von Johanniskraut aus.


In die Sonne oder nicht in die Sonne mit dem Öl – das ist hier die Frage

Die Frage, die sich natürlich noch stellt: Soll das Öl in der Sonne ziehen oder nicht?


Eigentlich hat es lange geheißen, man soll das Öl zum Ziehen in die Sonne stellen. Allerdings gibt es neue Studien, die zeigen, dass das Sonnenlicht den wichtigen Inhaltsstoff Hyperforin im Johanniskraut schädigt, der für die wundheilende Wirkung verantwortlich ist. Deswegen habe ich mein Öl zwar an einen warmen Ort, aber nicht direkt in die Sonne gestellt.

Auch für das Öl ist direkte Sonneneinstrahlung nicht ratsam, da es in der Sonne oxidieren kann.


Abseihen des Johanniskrautöls

Nach vier bis sechs Wochen sollte das Johanniskrautöl seine typische strahlend rote Farbe bekommen haben und kann abegeseiht werden.


Ich verwende nicht nur ein Sieb, sondern auch einen Teefilter zum Abseihen, damit auch kleine Pflanzenteile und Verunreinigungen abgeseiht werden und nicht im Öl landen.


Auch drücke ich das Pflanzenmaterial nicht aus, sondern lasse es einfach nur abtropfen, damit nicht unnötig Feuchtigkeit in das Öl gelangt.


Das fertige Johanniskrautöl ist ungefähr ein Jahr lang haltbar.

Rotöl Johanniskrautöl
Das strahlend rote Johanniskrautöl.

Johanniskrautöl: Troubleshooting Schimmelgefahr

Um die Schimmelgefahr so gut wie möglich zu minimieren, sollten 4 Dinge beim Herstellen des Ölauszuges beachtet werden:


  1. Das Kraut darf nur trocken gesammelt und weiterverarbeitet werden, das heißt nicht an Regentagen sammeln, oder wenn noch Tau auf dem Kraut ist.

  2. Man kann das Kraut auch ein paar Stunden anwelken lassen vor dem Weiterverarbeiten.

  3. Das Öl muss das Kraut komplett bedecken (auch darauf achten, wenn man das Glas mit dem Öl ab und zu schüttelt).

  4. Es kann sich Kondenswasser an der Unterseite des Deckels des Schraubglases bilden. Das Wasser tropft dann in das Öl zurück, wodurch Schimmel entstehen kann. Dann ist es ratsam, das Glas nur mit einem Geschirrtuch oder einer Küchenrolle zu bedecken, die mit einem Gummiringerl fixiert werden, damit das Öl atmen kannn und Flüßigkeit entweichen kann. Nach ein paar Tagen kann das Glas dann fest verschlossen werden, oder man lässet es die ganze Zeit unter dem Geschirrtuch ziehen.


Rezept für die Johanniskrautsalbe

Für 50 Gramm Salbe

Vegane Alternative zum Bienenwachs: 5 Gramm Carnaubawachs.

Das Bienenwachs gibt der Salbe ihre feste Konsistenz, die Sheabutter macht die Salbe cremig und nährt die Haut (besonders bei leichten Verbrennungen) und das Vitamin E-Öl pflegt nicht nur die Haut, sondern fungiert als Antioxidans und verlängert die Haltbarkeit des Öls.



Zuerst wird das Bienenwachs in das Öl gegeben, um es zu schmelzen.


Die Sheabutter kommt erst später dazu, da sie erstens einen niedrigeren Schmelzpunkt hat und zweitens etwas hitzeempfindlich ist. Gibt man sie gleich dazu, ist es aber auch kein Malheur.

Das Vitamin E Öl kommt erst ganz am Schluss dazu, da es stark hitzeempfindlich ist.